Pankreaskrebs: Heilungsraten erhöhen und Lebenszeit schenken

Circa 14.000 Menschen erhalten in Deutschland jährlich die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs – medizinisch: Pankreaskarzinom. Er gehört zwar zu den seltenen, aber leider zu den tückischsten Krebsarten. "Da er in der Regel erst spät Beschwerden verursacht, wird er meist auch erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt, was die Behandlung erschwert", erklärt PD Dr. Kay-Rüdiger Kohlhaw, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, MIC und Gefäßchirurgie in den Sana Klinken Leipziger Land. 2021 hat sein Team 45 Patient:innen mit Tumoren im Bereich der Bauchspeicheldrüse im Pankreaszentrum in Borna behandelt.

Gefahr: Späte Beschwerden, späte Diagnose und Therapie

„Bauchspeicheldrüsenkrebs wächst sehr schnell und streut früh Metastasen, also Absiedelungen des Tumors. Beschwerden wie Schmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, sowie ein Druckgefühl oder Völlegefühl im Oberbauch treten wiederum erst sehr spät auf. Außerdem sind es Symptome, die unspezifisch sind und auch auf andere Erkrankungen hindeuten können“, erklärt der Arzt.

Das sei eine denkbar ungünstige Kombination, so der Mediziner. Denn durch die meist sehr späte Diagnose, sind oft nur noch 20 Prozent der Patient:innen operabel. „Mit Chemotherapien können wir etwas Zeit gewinnen, den Tumor bestenfalls etwas zurückdrängen. Bestrahlungen sind in fortgeschrittenen Stadien eher nicht wirksam. Es liegen einfach zu viele Strukturen dazwischen, so dass die Nebenwirkungen die Wirkung überwiegen“, erläutert der Chefarzt.

Eine Operation ist die einzige Chance auf Heilung, diese ist aber nur in einem frühen Stadium ohne Fernmetastasen möglich.

Dr. Kay-Rüdiger Kohlhaw

Anatomische Besonderheit der Bauchspeicheldrüse

Grund für die schwierige Behandlungsmöglichkeit ist die Anatomie des 15 bis 20 Zentimeter langen und 60 bis 80 Gramm schweren Organs. „Die Bauchspeicheldrüse hat keine richtige anatomische Grenze“, sagt Dr. Kohlhaw. Sie liegt in der oberen Bauchhöhle zwischen Milz und Leber in einer Schleife des Zwölffingerdarms. Vorn ist die Bauchspeicheldrüse mit Bauchfell überzogen, hinten mit der Bauchrückwand verwachsen.

Mit dem Lebensalter steigt das Risiko an einem Pankreaskarzinom zu erkranken, insbesondere ab etwa 55 bis 60 Jahren. Männer sind laut Statistik häufiger betroffen als Frauen. Bei den Krebstodesfällen steht das Pankreaskarzinom an vierter Stelle – mit steigender Tendenz. „Zunehmend sehen wir aber leider auch jüngere Patient:innen“, berichtet Dr. Kohlhaw. Bei weitem am häufigsten betroffen ist der Kopfanteil der Bauchspeicheldrüse.

Bauchspeicheldrüse – kleines Organ mit großer Bedeutung

Die Bauchspeicheldrüse bzw. Pankreas ist die größte Drüse des Menschen. Sie erfüllt zwei lebenswichtige Funktionen. Sie produziert zum einen die Verdauungssäfte, die unsere Nahrung zerkleinert und aufschlüsselt. Zum anderen werden in ihr die Hormone gebildet, die wichtigsten sind Insulin und Glukagon, die unseren Blutzuckerspiegel regulieren.

Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.

Auf Warnzeichen achten

Frühsymptome gibt es beim Pankreaskarzinom nur wenige. Zu den häufigsten Zeichen, die man ernst nehmen sollte, zählt eine unbeabsichtigte Gewichtsabnahme sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit. „Manche Patient:innen werden gelb, weil der Gallengang durch den Tumor verlegt wird. Andere bekommen plötzlich Diabetes. Beides könnte auf einen Tumor der Bauchspeicheldrüse hinweisen“, weiß der erfahrene Spezialist.

Hoher Alkoholkonsum bzw. Alkoholmissbrauch gelten als Risikofakor - auch für die Entstehung von Bauchspiecheldrüsenkrebs

Risikofaktor ungesunder Lebensstil?

„Wissenschaftliche Belege zeigen, dass chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse ein Risikofaktor sind. Das kann eine angeborene Disposition sein oder erworben durch Alkoholmissbrauch“, erläutert der Chefarzt. Bei einer wiederholten Pankreatitis durch einen verstopften Gallengang sollte auf jeden Fall genauer hingeschaut werden. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse erkennt man an Schmerzen im Oberbauch und einer Veränderung des Stuhls. Typisch sind fettige, helle, sehr übel riechende Durchfälle.

Ob ein ungesunder Lebensstil das Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken erhöht, ist noch nicht erwiesen. Aber die Vermutung liegt nahe, denn alles, was ein Mensch isst und trinkt, muss für den Energie- und Stoffwechsel verdaut werden – eben auch die üppige, fett- und zuckerreiche Ernährung oder der Alkohol.

Nachweislich steigern Rauchen, starkes Übergewicht oder eine Diabeteserkrankung das Risiko für ein Pankreaskarzinom. Gibt es eine familiäre erbliche Vorbelastung, ist das Risiko ebenfalls erhöht. In dem Fall gibt es spezielle Früherkennungsprogramme.

Anders als bei Brust-, Haut-, Darm- und Prostatakrebs gibt es beim Pankreaskarzinom keine routinemäßige Früherkennung.

Dr. Kay-Rüdiger Kohlhaw

Diagnostik und Therapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Besteht der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs folgen intensive und umfassende Untersuchungen. „Bei der Diagnostik und Therapie setzen wir im Onkologischen Zentrum in Borna auf interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Dr. Kohlhaw. Ultraschall, CT, MRT, Endoskopie sowie endoskopischer Ultraschall über den Zwölffingerdarm sind Teil des umfangreichen Untersuchungsprogramms.

Diagnostische Verfahren bei Verdacht auch Bauchspeicheldrüsenkrebs

  • Ultraschalluntersuchungen des Bauches von außen (Sonographie) und innen (Endosonografie)
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) gekoppelt mit einer Spiegelung des Magens und des Zwölffingerdarms mit Hilfe von Röntgenaufnahmen sowie eine Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge
  • Eine Untersuchung der Blutwerte gibt außerdem Aufschluss über die Tumormarker (von Tumorzellen gebildete Eiweiße), den Allgemeinzustand des/der Patient:in und die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse, d.h. inwieweit sie noch Verdauungssäfte und Hormone bildet.

Der nächste Schritt, sofern möglich, ist die OP, die dank moderner Technik heute erfolgversprechender ist, als noch vor einigen Jahren. „Operationen an der Bauchspeicheldrüse gehören zu den aufwendigsten Bauch-OPs, werden deshalb normalerweise offen mit Bauchschnitt durchgeführt“, erklärt Dr. Kay Kohlhaw, „Es müssen sehr viele anatomische Strukturen rekonstruiert werden. Das ist zumindest im Kopf der Bauchspeicheldrüse laparoskopisch über eine Bauchspiegelung sehr schwierig.“ Im hinteren Teil der Bauchspeicheldrüse, auch Schwanz genannt, sei diese OP-Methode eher möglich. Tumoren treten dort weit seltener auf. „Aber auch hier braucht es eine besondere Expertise, die nur wenigen Onkologischen Zentren vorbehalten ist. Eines ist im Klinikum in Borna“, so der Chefarzt des Pankreaszentrums der Sana Kliniken Leipziger Land.

Was heißt Laparoskopie?

Die Laparoskopie ist eine Bauchspiegelung, die sowohl zur Diagnostik als auch zur Behandlung genutzt wird. Anders als bei einer normalen Operation sind hier nur kleine Bauchschnitte nötig, über die chirurgische Instrumente sowie eine Kamera in die Bauchhöhle eingeführt werden können. Daher spricht man auch von einem minimalinvasiven Verfahren oder von der Schlüssellochchirurgie. Großer Vorteil dieser Methode ist, dass die Patientinnen und Patienten schneller wieder mobil sein können und sich besser erholen – gerade wenn im Anschluss noch eine Chemotherapie notwendig ist.

Roboterunterstützte Chirurgie verbessert Operationsergebnisse

In Borna wird auch das neue, robotisch assistierte DaVinci-System eingesetzt. „Primär im Schwanz, aber auch am sogenannten Kopf der Bauchspeicheldrüse“, sagt Dr. Kay Kohlhaw. Der Vorteil: „Kein Bauchschnitt. Dieser ist doch ein erhebliches Trauma für den Organismus. Die Patienten sind tagelang immobil, der Magen-Darm-Trakt bereitet Probleme“, begründet der Chirurg. Bei robotischen und laparoskopischen Verfahren sei das OP-Ergebnis deutlich besser. „Die neuen Methoden sind sehr viel schonender. Die optische Vergrößerung dank des DaVinci-Roboters ist ein Plus in punkto Präzision und besonders hilfreich“, so Dr. Kohlhaw.

Bei allen hochkomplexen Eingriffen, wo es eng zugeht und wir um die Ecke arbeiten müssen, setzen wir in Borna den DaVinci-Roboter ein. Das können Lungentumore sein, Tumore an der Niere, in der Prostata oder bei Magen- und Darmkrebs.

Dr. Kay-Rüdiger Kohlhaw

Für welche Patient:innen welches Verfahren in Frage kommt, hängt von der Lage und dem Stadium des Tumors ab. Zudem spielt die individuelle Erfahrung der Onkologischen Zentren eine Rolle. In den meisten Fällen folgt nach der Operation eine Chemotherapie, um eventuell noch vorhandenen Krebszellen zu zerstören. Auch hier wird permanent an Präparaten und Kombinationen geforscht, um die Therapie zu verbessern.

Ungünstige Prognose

Dennoch ist Dr. Kay Kohlhaw mit den Fortschritten in der Behandlung des Bauchspeicheldrüsenkrebses nicht zufrieden. Je nach Stadium des Krebses und wie sehr er bereits Metastasen gestreut hat, ist oft keine vollständige Heilung mehr möglich und die 5-Jahre-Überlebensrate liegt lediglich bei 10 bis 20 Prozent.

„Wir treten bei der Behandlung des Pankreaskarzinoms leider ein bisschen auf der Stelle. Die Deutsche Krebsgesellschaft setzt auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Krebszentren. Nur noch ausgewählte, hochspezialisierte zertifizierte Kliniken sollen die Diagnostik und Behandlung durchführen.“ Besondere Anforderungen werden dabei an die Qualifikationen und Erfahrung bei Diagnostik und Therapie, aber die beim Management von Komplikationen gestellt.

Ziel sei ein besseres Ergebnis für die Betroffenen: weniger Komplikationen, längeres Überleben. Dies konnte in einer kürzlich veröffentlichen Studie auch nachgewiesen werden.

Enge, fachübergreifende Zusammenarbeit verbessert Krebsmedizin

Anders sieht es bei Krebserkrankungen insgesamt aus. „Die Studienlage stimmt uns zuversichtlich. Wir Mediziner geben uns ganz viel Mühe, die Behandlung von Krebs zu standardisieren, was eine präzisere Diagnostik, sicherere und schonendere Operationen sowie effektivere Nachbehandlungen bedeutet“, erklärt Dr. Kay Kohlhaw. Neue Medikamente erlaubten heute schon bei manchen Krebsarten individuell auf die Patientinnen und Patienten zugeschnittene Therapieformen, zum Beispiel bei weißem und schwarzem Hautkrebs.

„In den zertifizierten Zentren arbeiten die verschiedenen Fachdisziplinen eng zusammen – von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachbehandlung. Auch die Nachverfolgung über die nächsten fünf Jahre nach Erstbehandlung ist deutlich verbessert worden. Wir können bei einem wiederkehrenden Tumor oder Metastasen viel schneller reagieren“, betont der Chefarzt. Für die Patient:innen bedeute dies mehr Fürsorge und Sicherheit.

Die Sana Kliniken Leipziger Land in Borna sind bereits seit 2007 zertifiziertes Zentrum für Darm- und Brustkrebs und seit 2017 onkologisches Zentrum. Knapp 900 Erstdiagnosen und weitere Krebspatient:innen mit wiederauftretenden Tumoren wurden allein im vergangenen Jahr im zertifizierten Krebszentrum in Borna betreut.

Was kann ich selbst tun?

Die zentralen Bausteine der Krebsprävention sind eine gesunde Lebensweise und Vorsorgeuntersuchungen. Wissenschaftler haben in zahlreichen Studien festgestellt, dass viele Karzinome durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden könnten. Deshalb: Achten Sie auf Ihr Körpergewicht, ernähren Sie sich gesund und ausgewogen. Bewegen Sie sich regelmäßig, treiben Sie Sport. Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, rauchen Sie nach Möglichkeit nicht. Und nehmen Sie alle angebotenen Vorsorgeuntersuchungen zur Krebs-Früherkennung wahr: Dazu gehören die Darmspiegelung bei Männern ab 50 Jahre, bei Frauen ab 55 Jahre. Das Mammografie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, den Hautcheck für alle und die Prostatauntersuchung für Männer ab 45.

Porträt Dr. Kay Kohlhaw

Ansprechpartner

Dr. Kay Kohlhaw
Facharzt für Chirurgie, Visceralchirurgie, Gefäßchirurgie
Leiter des Onkologischen Zentrums, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral-, MIC- und Gefäßchirurgie
Telefon 03433 21-1501
kay.kohlhaw@sana.de

Onkologische und viszeralchirurgische Sprechstunden

dienstags von 09:00 bis 15:00 Uhr
mittwochs von 09:00 bis 15:00 Uhr
jeden 1. Freitag im Monat von 09:00 bis 12:00 Uhr
jeden 3. und 4. Freitag im Monat von 09:00 bis 12:00 Uhr

Terminvereinbarung unter: 03433 21-1396

Stand: 23.11.2022

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