Kämpfen, Hoffen, Siegen: Wege gegen Brustkrebs

Das zertifizierte Brustzentrum Nordsachsen begleitet Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind – von der Diagnostik bis zur Nachsorge.

Brustkrebs ist eine Diagnose, die Millionen von Frauen weltweit betrifft und ihre Familien und Angehörigen tief berührt. Daher wurde bereits in den 80er Jahren der »Breast Cancer Awareness Month« – der Brustkrebsmonat Oktober – ins Leben gerufen. Er soll die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Thema Brustkrebs lenken, die Bedeutung der Früherkennung hervorheben und die Brustkrebsforschung unterstützen. International bekanntes Symbol ist die rosa Schleife, die als Zeichen der Solidarität und Unterstützung für Brustkrebsüberlebende und zur Sensibilisierung für die Krankheit gilt.

Auch in Deutschland erhalten jährlich circa 70.000 Frauen die erschreckende Diagnose: Brustkrebs. Damit ist das Mammakarzinom – so der medizinische Begriff – die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.

Wird der Tumor in einem frühen Stadium erkannt und behandelt, liegen die Heilungschancen bei nahezu 90 Prozent. Weshalb der Vorsorge eine besondere Bedeutung zukommt. Daher haben Frauen ab dem 30. Lebensjahr im Rahmen der Krebsvorsorge auch Anspruch auf eine Tastuntersuchung der Brust und der Achselhöhle durch den Gynäkologen.

Darüber hinaus besteht für Frauen ab dem 50. bis zum 70. Lebensjahr die Möglichkeit, am Mammographie-Screening -Programm teilzunehmen und somit alle zwei Jahre eine Röntgen-Untersuchung der Brust zu erhalten.

„Studien besagen zwar, dass immer mehr jüngere Menschen und vor allem auch immer mehr jüngere Frauen an Brustkrebs erkranken, aber das lässt sich gut erklären“, sagt Dipl.-Med. Henning Eichler, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums Nordsachsen an den Sana Kliniken Leipziger Land in Borna.

„Zum einen leben immer mehr Menschen auf der Erde, was natürlich auch einen Anstieg von bestimmten Krankheiten bedeutet. Zum anderen hat sich die Diagnostik in den vergangenen Jahren sehr verbessert und darüber hinaus werden Krebserkrankungen auch noch nicht so lange registriert und erfasst, so dass wir erst seit Kurzem bessere Kenntnisse zu Erkrankungs- und Heilungszahlen haben.“

Nach wie vor sind vor allem Frauen im höheren Lebensalter zwischen dem 65. und 69. Lebensjahr von Brustkrebs betroffen. „Aus unserem eigenen Patientengut waren zwischen 2018 und 2023 lediglich 0,4 Prozent der Patientinnen unter 30 und 4,8 Prozent unter 40 Jahren“, so der Mediziner.

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs

Einen Wehmutstropfen gibt es jedoch: „Jüngere Frauen sind leider häufiger von aggressiven Brustkrebsformen betroffen, die schwerer zu behandeln sind“, sagt Eichler. Im Gegensatz zu anderen Brustkrebsformen ist dann fast immer eine Chemotherapie notwendig, die vor einer Operation durchgeführt wird, um den Tumor zu verkleinern und das Tumorverhalten zu beobachten.

Spüren Frauen beim Abtasten ihrer Brust ungewöhnliche Veränderungen wie Knoten, eingezogene Hautveränderungen, Ausfluss aus den Brustwarzen o.ä. sollten sie diese immer von einem Frauenarzt abklären lassen! Weitere Diagnoseschritte sind:

Mammographie (Röntgen der Brust)

Ultraschall

Gewebeprobe, die mit Hilfe einer Biopsie entnommen wird.
Das Gewebe wird untersucht, um die Tumorart zu bestimmen. Die Untersuchungsergebnisse geben weiter Auskunft über die Aggressivität des Tumors, das Wachstumsverhalten, darüber, von welchen Gewebestrukturen er ausgeht, und ob das Tumorwachstum durch die körpereigenen Sexualhormone beeinflusst wird. Die Informationen aus der Gewebeuntersuchung sind wichtig für den konkreten Behandlungsplan.

Warum ins Brustzentrum?

Henning Eichler empfiehlt betroffenen Frauen stets, sich in einem zertifizierten Brustzentrum wie dem am Sana Klinikum in Borna behandeln zu lassen. Brustzentren zeichnen sich dadurch aus, dass Ärztinnen und Ärzte der verschiedenen Fachabteilungen wie Gynäkologie, Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie und Pathologie zusammenarbeiten, um den Patientinnen eine Diagnostik und ein Behandlungsmanagement nach dem aktuellen Stand der Forschung anzubieten.

„Generell ist es so, dass eine Behandlung immer individuell auf die psychischen und physischen Gegebenheiten und Bedürfnisse der Patientin abgestimmt wird“, erklärt Eichler das Vorgehen. „Das gesamte Behandlungsteam sitzt in regelmäßigen Tumorboards und bespricht die geplanten Therapiemaßnahmen.“

Im Prinzip stützt sich die Brustkrebsbehandlung auf die drei Säulen Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Sind die Tumorzellen hormonempfindlich kommt in der Brustkrebsbehandlung noch die Möglichkeit einer Antihormonbehandlung hinzu, die das Wachstum des Tumors eingrenzt. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch in Diagnostik und Therapie einiges getan: „Wir haben eine viel speziellere Bildgebung und Diagnostik und können beispielsweise die DNA eines Tumors sehr genau bestimmen, um daraufhin die Therapie gezielt festzulegen. Das erspart den Patientinnen manchmal auch unnötige Behandlungen. So sind unter bestimmten Voraussetzungen nicht immer eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung notwendig“, erklärt Henning Eichler. „Und auch bei Operationen können wir präziser und brusterhaltender eingreifen, als das noch vor einigen Jahren der Fall war.“

Wir gehen jeden Therapieschritt gemeinsam mit der Patientin und gerne auch gemeinsam mit einem Angehörigen durch. Denn vier Ohren hören mehr als zwei und wir nehmen uns die Zeit alle Fragen und Unsicherheiten ausgiebig zu besprechen.

Dipl.-Med. Henning Eichler

Kurz erklärt: Chemo-, Antikörper- und Immuntherapie

Chemo-, Antikörper- und Immuntherapie sind verschiedene Ansätze, die in der Behandlung von Krebs und auch bei Brustkrebs zum Einsatz kommen.

Chemotherapie:
Krebszellen teilen sich sehr schnell und vermehren sich dadurch sehr rasch. Eine Chemotherapie soll die Zellteilung der Krebszellen verhindern und so das Tumorwachstum eindämmen. Allerdings wirkt eine Chemotherapie im ganzen Körper. Daher greifen die Medikamente auch gesunde Zellen an, die sich schnell teilen, wie zum Beispiel in den Schleimhäuten oder Haaren. Daher geht eine Chemotherapie oft mit dem vorübergehenden Verlust der Haare einher.

Antikörpertherapie:
Die Antikörpertherapie ist eine Form der gezielten Therapie, bei der spezifische im Labor hergestellte Antikörper in den Körper eingeführt werden. Die Antikörper sind so konzipiert, dass sie sich an Krebszellen binden, um diese am Wachstum zu hindern oder auch, um sie zu markieren, so dass das Immunsystem sie besser erkennt und bekämpft.

Immuntherapie:
Immuntherapie umfasst verschiedene Ansätze zur Stärkung des körpereigenen Immunsystems zur Bekämpfung von Krebs. So soll das Immunsystem mit Hilfe von bestimmten Medikamenten Krebszellen besser erkennen und sie gezielt angreifen.

Alle Therapieformen werden oft miteinander kombiniert, um die Ergebnisse zu verbessern und die Heilungschancen zu erhöhen.

Mut haben, zu kämpfen

Zum Behandlungsteam in Borna gehört auch Annett Renker. Sie ist Breast Care Nurse mit einer speziellen Ausbildung und unterstützt die Brustkrebspatientinnen, indem sie emotionalen Beistand gibt und bei der Bewältigung von Nebenwirkungen und der Koordination der Versorgung hilft. „Brustkrebs ist zweifellos eine Herausforderung. Aber ich sehe und bewundere oft, wie die Frauen mit Unterstützung von Familie und Freunden, Information und modernen Behandlungsmöglichkeiten den Kampf gegen den Krebs aufnehmen und ihn häufig sogar besiegen und anschließend sogar gestärkt ein erfülltes und gesundes Leben führen“, erzählt Renker von ihrer Arbeit.

Helfen, wenn der Wunsch nach Hilfe besteht.

Die Diagnose Krebs lässt oft nicht nur diejenigen hilflos zurück, die von ihr betroffen sind, sondern auch Angehörige und Freunde. Patentrezepte gegen die Unsicherheit gibt es nicht. Die einfache Frage „Was kann ich für dich tun?“ ist oft wirksamer als ein gut gemeinter Ratschlag. So können Sie die Unterstützung geben, die benötigt wird, und Sie helfen Ihrer Angehörigen, offen über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen.

Versuchen Sie die Situation anzunehmen und gemeinsam auszuhalten. Dann kann auch wieder Zuversicht wachsen. Beziehen Sie Ihre Freunde oder Angehörige auch weiterhin in alle Entscheidungen mit ein. Helfen Sie nicht über den Kopf des anderen hinweg und übernehmen Sie Aufgaben nur dann, wenn es gewünscht ist.

Im Brustzentrum Nordsachsen im Sana Klinikum Borna steht Patientinnen und deren Angehörigen ein psychologisches Team beratend und unterstützend zur Seite.

Heilungschancen? Früh erkannt: Gut bis sehr gut!

Die Heilungschancen bei Brustkrebs sind heute besser denn je, dank früher Diagnose und fortschrittlicher Therapien. Aber wie bei fast allen Erkrankungen und Krebserkrankungen gilt: Je früher sie erkannt werden, umso größer sind die Heilungschancen, die beim Mammakarzinom mittlerweile bereits bei 90 Prozent liegen.

Zu den wichtigen Methoden der Früherkennung zählt die Selbstuntersuchung der Brust, bei der immerhin 80 Prozent der Tumoren entdeckt werden. So können mit etwas Übung und bei regelmäßiger Selbstuntersuchung Tumoren einer Größe ab 1,4 Zentimeter getastet werden.

Am Brustkrebszentrum des Sana Klinikums Borna können Frauen lernen, wie sie Knoten, geringfügige Veränderungen und Verdickungen ertasten können. Die so genannte Mammacare-Methode ist für Frauen jeden Alters geeignet.

Vorbeugen – aber wie?

Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren, die die Entstehung von Brustkrebs begünstigen können. Manche davon haben wir nicht in der Hand. Dazu gehören beim Brustkrebs das Geschlecht (auch Männer können erkranken, aber das Risiko ist sehr viel geringer), die familiäre Belastung, ein frühes Einsetzen der Periode und eine späte Menopause sowie eine späte oder keine Schwangerschaft und das Alter.

Was tun, wenn Brustkrebs in der Familie häufig vorkommt?

Bei etwa einem Viertel der Frauen mit Brustkrebs tritt die Erkrankung in der Familie vermehrt auf. Das kann ein Hinweis auf eine genetische Ursache sein. Das bedeutet, dass Veränderungen an den Genen den Brustkrebs verursachen. Aber: Diese Form des Brustkrebses ist sehr selten. Lediglich bei fünf bis maximal zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen kann dieses krankheitsauslösende Gen nachgewiesen werden. Ob diese Genveränderung vorhanden ist, lässt sich untersuchen. Trifft die Vorbelastung zu, wird die Früherkennung an das Erkrankungsrisiko angepasst.

Das Bild zeigt Herrn Dipl-Med. Hennig Eichler, Oberarzt am Brustzentrum des Sana Klinikums Borna im Portrait

Unser Brustkrebsexperte

Dipl.-Med. Hennig Eichler
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Telefon 03433 21-1401
hennig.eichler@sana.de

Andere Risikofaktoren können wir mit einem gesunden Lebensstil sehr gut beeinflussen. „Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Tabakverzicht und wenig Alkohol können viel zur Vorbeugung beitragen“, sagt Henning Eichler und gibt noch einen wichtigen Ratschlag: „Achten Sie auf Ihr Gewicht. Auch Übergewicht kann ein Risikofaktor zur Brustkrebsentstehung sein, denn oft reagieren Tumorzellen auf das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, was im Fettgewebe gebildet wird.“

Stand: 29.09.2023

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